Ende Oktober (30.10.2013) war der letzte Tag für Qype. Jetzt ist Schluss, Sense, aus! Die Übernahme durch Yelp ist vollzogen. Was bleibt von diesen Bewertungsportalen?

Aus Erfahrung wird man klug

Ich bin davon etwas mitgenommen, da ich zwei ganze Jahre einen Premium Account bei Qype hatte. Habe ich doch auf die Werbewirksamkeit dieses Portals gesetzt. Brutale 77€ gingen jeden Monat in den Besitz dieses Unternehmens über. Es ist ja nicht so, dass ich es solchen Unternehmen nicht gönnen würde, dass sie Geld mit ihrem Angebot verdienen. Aber für den Unternehmer sollte auch die Kosten-/ Nutzen-Rechnung aufgehen.

Wie wirkt die Werbung? Was bleibt von der Klickrate übrig?

Man kann ja auch auf Google werben und hat direkte Besucher auf seiner Seite. Die Kosten sind hier pro Klick relativ hoch, aber man ist bei der Suche auf der rechten Seite oder oben gleich präsent.
Bei den Bewertungsportalen wird man erst auf einer direkten Themenseite gesehen, diese muss man besonders pflegen und kann entweder direkt von dort kontaktiert werden oder bekommt einen Besucher (endlich) per Klick auf den Link auf seine Homepage. Bis aber ein potentieller Käufer sich entschieden hat, bei ex-Qype, Yelp, Klicktel oder meineStadt nach einer Dienstleistung zu suchen, hat er doch seine Suche schnell bei Google oder Bing erledigt.

Qype, Klicktel, meineStadt, Yelp als Premium-Abzocker

Ich habe alle 3 Portale, Qype, Klicktel und meineStadt als Premium-Werbender durch. Überall wurde ein Preis von über 60€/Monat genommen. Pro Portal habe je einen Auftrag erhalten. Das bedeutet, dass ich bei jeweils einem Jahresvertrag wirtschaftlich knapp eine Null als Ergebnis habe. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern eigentlich ein wirtschaftlicher Totalschaden. Mit Google-Werbung erreicht man tatsächlich mehr. Ich bin jetzt nicht der Typ, der meine Leser mit Beweis-Grafiken nerven möchte. Dafür reichen kleine Rechnungen im Kopf und das Gefühl, dass man verarscht wird.
Kunde dieser Portale bin ich oft durch sogenannte Cold-Calls geworden, die God save the Queen, nicht mehr erlaubt sind. Vielleicht war ich auch zu dämlich, habe mich von deren vorgelegten Zugriffszahlen verleiten lassen. Heute kann man sagen, guckt man sich die Zahlen an und überlegt, was bleibt für mein einzelnes Unternehmen als Klickrate auf einem Gesamtportal übrig, könnte ich mich noch in den werten Hintern beißen.

Und was leistet Yelp?

Ich habe mich dort gar nicht angemeldet. Meine Daten wurden ungefragt von Qype übernommen. Ich lasse es erst einmal so laufen.
Bei Facebook gibt es eine Gruppe Namens Ex-Qyper. Dort kann man nachlesen, dass es nicht nur aus Unternehmersicht äußerst Zweifelhaft ist, was dort getrieben wird: Die Qyper, die gerne Empfehlungen geschrieben haben, sind schwer enttäuscht. Viele Profile haben nicht mehr die Anzahl der Berwertungen, die sie über die Jahre geschrieben haben. Wer Interesse hat, kann gerne mal in der Gruppe schauen, was sonst noch alles läuft.
Was Yelp für Premium-Nutzer nimmt, entzieht sich meiner Kenntnis. Interessiert mich auch nicht mehr. Ich werde jedenfalls kein Kunde von solchen Portalen mehr. Für nen 10er im Monat vielleicht mal. Aber das wird keiner machen.

Schreibt mir mal, wie eure Erfahrung ist!

Ich würde mich freuen, wenn Premium-Werbende ihre Erfahrungen über die Kommentarfunktion mitteilen. Vielleicht irre ich ja auch!?

10 Comments

  1. 11. November 2013 at 13:39 — Antworten

    Meine bessere Hälfte betreibt ein chinesisches Restaurant in Berlin Mitte. Wir haben dieselben Erfahrungen gemacht, wie Du sie beschreibst.

    Unsere Premium-Mitgliedschaft bei Qype haben wir zum ersten Kündigungstermin wieder beendet. Premium-Konten bei anderen Klick-Dienstleistern haben wir daraufhin gar nicht erst begonnen. Wir haben uns auch komplett aus dem ‚tip‘ in Berlin entfernt, nachdem zwei Mitarbeiter, zu denen wir eine gute Beziehung haben, gegangen sind. Von dort kommen nur E-Mails mit Werbe-Aufforderungen … mit falscher Anrede. Keine Anrufe, keine Besuche vor Ort. Der Vertrieb ist eine Katastrophe, wie bei vielen Zeitungen, Zeitschriften und Portalen, die glauben, mit den Methoden der 80er Jahre Geld machen zu können.

    Yelp und Tripadvisor funktionieren für die meisten Restaurants auch ohne Premium. Meine ich. Wir nutzen (zwangsläufig) eingehende Bewertungen und beantworten jede. Die Kommentarfunktion bei Qype war diesbezüglich hervorragend, weil sich unter den Bewertungen ein reger Austausch entwickeln konnte.

    Bei Yelp und Tripadvisor gibt es keine Kommentarfunktion. Der Inhaber des Restaurants kann ein Mal auf eine Bewertung antworten, das war’s.

    Wir haben seit kurzem eine responsive Webseite und nutzen vermehrt unsere Facebookseite für den regelmäßigen Kontakt zu Gästen.

    Je nachdem, welches Publikum man anspricht, können Tripadvisor (Touristen aus dem Ausland), Qype – jetzt Yelp – (Touristen aus Deutschland) oder spezielle Portale in die Strategie passen.

    Unsere Strategie heißt: Bereite jedem, der rein kommt, zwei geile Stunden. Und verwöhne die Stammgäste. Den Rest lass Google machen.

    … dazu müssen wir unsere Webseite etwas mehr beleben 🙂 Ich gelobe Besserung 🙂

    • 12. November 2013 at 14:30

      Hallo Hans,

      ich freue mich über deine ausführliche Beschreibung. Diese Möglichkeiten im Free-Account bei Qype waren tatsächlich gut. Mal gucken, wie das in Yelp wird. Aber vielleicht sollte man eher auf den neuen Bereich bei Google gehen, wo auch Empfehlungen möglich sind.

      Ein Kunde von mir hat so eine Google+-Seite, die auch in den Suchergebnissen auftaucht: https://plus.google.com/112355829773756293008/about

      Eure neue Seite ist ganz nett. Wirkt aber sehr groß und weniger übersichtlich. Wenn Hilfe gewünscht ist, dann könnt ihr euch gerne melden!

  2. […] 11.11.2013: Qype ist tot, Yelp macht es (wohl) nicht besser. Kritik an bezahlten Empfehlungsportalen […]

  3. 12. November 2013 at 14:18 — Antworten
  4. 13. November 2013 at 16:52 — Antworten

    Ob 50 Mio. € zu wenig für Qype waren? Damit befasst sich dieser Artikel:

    http://www.gruenderszene.de/allgemein/qype-yelp-zu-billig

  5. 15. November 2013 at 09:51 — Antworten

    Noch ein schöner Artikel zu diesem Thema:

    Es kam, wie es kommen musste:
    Yelp vergeigt die Abwicklung von Qype

    http://netzwertig.com/2013/11/15/es-kam-wie-es-kommen-musste-yelp-vergeigt-die-abwicklung-von-qype/

  6. Dietmar Dzieyk
    9. Februar 2014 at 03:34 — Antworten

    Für mich ist der Umstieg von Qype auf Yelp ein Ausstieg.
    Ich bin kein Geschäftsmann. Ich verstehe, dass heute auch Kultur mit dem Geschäft verknüpft wird.
    Wenn aber von Kultur nichts mehr zu finden ist, noch nicht einmal das Primitivste in Bangkok aufscheint, dann sage ich traurig Ade.
    Ich habe die App gelöscht.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dietmar Dzieyk

  7. Marianne Seipert
    14. März 2014 at 11:50 — Antworten

    Der letzte Kommentar ist zwar schon etwas her, aber mich beschäftigt die ganze Geschichte immer noch. Auch unser Geschäft wurde „abgeyelpt“ und seitdem suchen wir Alternativen. Ich teile Ralfs Kritik, bin aber der Meinung, das man auf Bewertungsportale (leider!) nicht verzichten kann, weil heut wohl jeder erstmal nach Sternchen schaut, bevor er das „Risiko“ eingeht, einfach so in irgendein Geschäft oder Restaurant zu gehen. Premium-Qype war uns schon immer zu teuer und wäre einfach nicht wirtschaftlich für uns gewesen. Von Yelp fühlen wir uns einfach verar**** und haben einfach keine Lust, da noch Zeit und Nerven reinzustecken. Wir haben ein recht neues Portal über google entdeckt, ProvenExpert, das wir gerade testen. Die bieten zwar Premium für knapp 60 euro an, also fast so teuer wie Premium-Qype, aber man es auch kostenlos nutzen. Wir zahlen jetzt 9 euro im Monat für mehr Möglichkeiten als bei free-Nutzung, damit kann man leben.

  8. […] prenzlweb – Blog von Ralf Schlott Qype ist tot, Yelp macht es (wohl) nicht besser. Kritik an bezahlten Empfehlungsportalen http://www.naturjung.de/2013/11/qype-ist-tot-yelp-macht-es-wohl-nicht-besser/ […]

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Previous post

Keine Profite mit der Miete: Hamburger Wohnungsmarkt

Next post

Erfahrungsbericht: 2 Jahre erfolgreicher Onlineshop Gokarthof mit OXID CE.