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Keine Profite mit der Miete: Hamburger Wohnungsmarkt

„Meine Güte, wer soll das bezahlen?“ Das denke ich so bei mir, wenn ich bei Immonet oder Immobilienscout so herumsurfe.

Eigentlich hatte ich geplant, nach meinem Ausflug nach Berlin zeitnah wieder nach Hamburg zurückzukehren. Aber das ist ja da nicht mehr normal. Das Leben war wirklich geil in Hamburg. Doch das konnte ja keiner ahnen, was jetzt abgeht!

2001 bin ich nach Hamburg gegangen. Habe mir dort mit meiner damaligen Freundin eine Wohnung geteilt – 2 Kinder hatten wir auch noch. 55qm, zweieinhalb Zimmer im schönen Barmbek. Ein 1920er-Jahre-Bau. Wunderschön gelegen, tolle Umgebung. Aber die Wohnung war feucht! In einem Zimmer, gerade im Kinderzimmer, bildete sich Schimmel, den wir immer bekämpften. Das war nicht auszuhalten, weil unsere Tochter darauf eine Brochitis entwickelte. Ich weiß heute nicht mehr, was wir gezahlt haben. Vielleicht 500€ warm. Heute werden diese Wohnungen als exklusive Eigentumswohnungen verkauft. Ich hoffe die Sache mit dem Schimmel hat sich durch Wärmedämmung etc. erledigt. Diese Gegend habe ich genossen. Dieses Barmbek ist einmalig schön.

Die Sache erledigte sich dann, weil wir einen größeren Wohnraum benötigten. Wir zogen dann nach Hohenfelde. Das liegt gleich in der Nähe der Alster. Die größte Wohnungsagentur Hamburgs, die SAGA/GWG bot da wirklich tolle Wohnungen an. Zuletzt zahlte man dort 660€ warm. Wohnungen, nach dem Krieg in den 1950er Jahren wieder aufgebaut. Etwas hellhörig, aber fair. Eine 4-Zimmer-Wohnung, in der man super leben konnte. Heute wohnen die 3 noch immer dort. Sicher zu einer günstigen Miete. Denn wer hat, der hat!
Ich empfehle fast keinem, der eine Wohnung in Hamburg hat, noch einmal umzuziehen. Denn dann wird immer draufgeschlagen. Das ist schon eine fiese Sache.
Die Beziehung hatte sich dann erledigt. Ich hatte allein eine Wohnung – auch bei der SAGA/GWG – eine Weile bewohnt. Nachdem ich mit meiner neuen Freundin ein paar Monate dort wohnte und die Miete teilte, suchten wir uns 2009 gemeinsam eine klasse Wohnung bei der Wohnungsbaugenossenschaft BGFG in St. Georg. Dieser Stadtteil ist einer der irrsten IN-Stadtteile in Hamburg. Wir wohnten im 1. OG direkt um die Ecke vom Hansaplatz. Wer diesen kennt, weiß, dass dort das echte Leben wohnt. Nutten und Freier in der Nacht – aber Genuß pur am Tag. Ich habe keine Angst. Weshalb wir aus dieser, vom Mietpreis her extrem günstigen 3-Zimmer-Wohnung für 600€ warm weggezogen sind, wissen wir bis heute nicht. St. Georg ist ein Stadtteil, den man genießen kann. Heute sind dort Wohnungen nicht unter 1000€ (kalt!) zu finden. Es entwickelt sich dramatisch.

Danach ging es durch die Möglichkeit des Wohnungstauschs innerhalb der Genossenschaft nach Stellingen. Das liegt am Rande von Eimsbüttel und gehört zu Altona. Die Miete dort war mit 660€ warm absolut zu ertragen und bezahlbar. Die Wohnung toll und einigermaßen gut gelegen. Leider hatte sie den Haken, dass wir mit der Hellhörigkeit und den spießigen Nachbarn einfach nicht zurecht kamen. Dort kam, gerade wegen der Hellhörigkeit der 1950er-Jahre-Baus, auch das Problem einer Nachbarin hinzu, die eine Gemeinschaft und ruhige Nächte nicht zuließ.

Man kann machen, was man möchte. Was passt, das passt nicht. Wir fanden keine neue Wohnung in Hamburg. Der Hund stellte auch ein Problem dar. Oftmals ist Hundehaltung in Hamburger Wohnungen nicht gestattet. Darauf wies uns auch ein Hamburger Makler hin, der uns am liebsten eine Wohnung zum Kauf angeboten hätte. Das war zu dem Zeitpunkt aber einfach nicht zu leisten.

Also besann ich mich auf meine Berliner Wurzeln. Dort haben wir sofort neuen Wohnraum gefunden. Für den Preis von damals 2006 in Hamburg. Das Herz blutet noch heute, wenn ich Wohnungsanzeigen in St. Georg betrachte. Die Zeit war irre geil. Warum ist das so? Wohnungen, die mal Menschen bewohnten, die ihre Wohnung liebten. Die handwerklich alles gemacht haben. Die das Leben in diesem Stadtteil genossen. Das wird alles kaputt gemacht. Es kommen Leute, die das bezahlen wollen und (vielleicht) können. Das Leben geht aber flöten. Was machen die Menschen, die nicht soviel verdienen, dass sie dort leben UND arbeiten können? Das wird in Zukunft echt schwierig.

Wir haben 2013. Neben den Mieten hat man noch Kosten für Energie, DSL, Kabel, Essen und Urlaub. Was ist das für eine Richtung?

Ich gucke gerne rein in die Wohnungsangebote in Hamburg. Aber das wird vorerst nix mit uns. Es ist extrem traurig.
Ich möchte diesen Text nicht lang werden lassen. Vielleicht ziehe ich bald nach und offenbare mehr Details. Aber das sollte fürs erste reichen. Am besten natürlich fürs „Erste“. Aber wer soll einen erhören?

Zieht bloß nicht um, wenn ihr in Hamburg eine Wohnung habt!

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1 Kommentar

  1. klaus peters
    9. November 2013 at 13:28 — Antworten

    keine profite mit der miete?

    Und die renovierungen etc? wie rücklagen und afa bewerten?

    bau dir doch selber was, dann weisst du was es heisst, eigentum zu haben.

    mach ruhig weiter so, alle, die geld haben, werden nicht mehr wohnungen bauen und du sitzt irgendwann auf der strasse.

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